Hardware, Ausrüstung, Voraussetzungen

Die Hardware, Ausrüstung und Voraussetzungen, die man haben sollte oder erfüllen muss,
sind eigentlich gar nicht so hoch. Das Wichtigste, aber auch das Teuerste ist wohl die Digital 8
oder Mini-DV-Kamera. Hier eine Kaufempfehlung zu geben, würde sicherlich den Rahmen sprengen.
Auch sind die Ansprüche zu unterschiedlich. Man muss sich nur darüber klar werden,
was man an einer Videokamera braucht und was nicht. Einfach diverse Testberichte lesen
und bei einem Angebot in der Tageszeitung zuschlagen. In vielen Fachgeschäften kann man sich
diverse Kameras ansehen, ausprobieren und teilweise sogar gegen eine geringe Gebühr auch ausleihen.
Hat man eine Kamera gekauft, sollte man sich wenigstens einmal das Handbuch durchlesen und danach
kann man auch bereits damit beginnen Ausgangsmaterial für unser Vorhaben zu filmen.

Hat man einige Minuten Videomaterial gesammelt, muss man diese in den Rechner überspielen (capturen).
Dazu braucht man im PC eine Hardware-Videoschnittstelle (Video-Capturekarte) für digitales Videomaterial.
Auch hier ist das Angebot kaum noch überschaubar. Es gibt Karten, die für diese Aufgabe spezielle Hardware
mitbringen und das übertragen der Daten auch hardwaremäßig unterstützen. Diese Karten bringen auch
spezielle Software zur Videobearbeitung und zur Umwandlung des Videomaterials in andere Formate mit.
Die zur Umwandlung genutzten Programme, genannt Codecs (Compressor/Decompressor oder Coder/
Decoder)
, weisen von Produkt zu Produkt starke Qualitätsunterschiede in der entstehenden Bildqualität auf.
Auch die Geschwindigkeit, wie schnell sie die einzelnen Bilder (Frames) in datenreduzierte Bilder umrechnen,
differiert sehr stark (Bilder pro Sekunde, Frames/sec).

Einen Encodertest findet man hier: http://www.tecoltd.com/enctest/enctest.htm
Sicherlich zählen z.B. die Karten der Firma Canopus zu den besseren Produkten,
allerdings haben sie auch ihren Preis.

Zur Canopus Homepage

Ob man bereit ist so viel Geld zu investieren, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Da das Videomaterial ja schon in digitaler Form auf dem Videoband vorliegt, könnte man jetzt jedoch
meinen, dass man zum Überspielen der Daten auf die Festplatte doch nur eine Schnittstelle braucht,
die die Daten entgegen nimmt und dann auf die Festplatte schreibt. Solch eine international genormte
Schnittstelle gibt es in der Tat schon länger. Es ist eine Schnittstelle mit einem Datendurchsatz von
theoretischen 50 MByte/sek (praktisch: 12-28 MByte/s). Somit also schnell genug für unsere Aufgabe
(DV=Digital Video erzeugt einen Datendurchsatz von ca. 3,6 Mbyte/sek, dazu aber später mehr).
Eine solche Schnittstelle nennt man IEEE 1394 Schnittstelle (FireWire bei Apple und i.Link bei Sony).
Diese PCI-Karten bringen meistens einen entsprechenden Treiber für Windows mit,
der dafür sorgt, dass angeschlossene Camcorder auch als solche erkannt werden.
Je nach Preis bekommt man noch eine recht brauchbare Videobearbeitungssoftware dazu.
IEEE 1394 Schnittstellen können bis zu 63 Geräte verbinden, wie z.B. Scanner, Brenner und externe
Festplatten. Sogar als Netzwerkkarte finden sie aufgrund ihres hohen Datendurchsatzes Anwendung.
Auf den Karten befinden sich somit nur eine oder mehrere IEEE 1394-Ports und sonst nichts an
zusätzlicher Hardware, die das Überspielen und Bearbeiten von Videomaterial am PC unterstützen.
Jedoch bieten sie eine preiswerte Alternative zu den speziellen Karten für Videoschnitt.
Unter Umständen sind sie aber auch für den Laien schwerer an den Start zu bringen,
weil sie ja nicht nur für dieses bestimmte Einsatzgebiet konzepiert sind.
Wird jemanden vor etwas Fummelei Angst und Bange, sollte er lieber zu einem
"Rundum-Sorglos-Paket" greifen (Dies kann jedoch genauso problembelastet sein).

Aber zurück zu den IEEE 1394 Schnittstellen. Diese sind je nach Softwareausstattung von mittlerweile
ca. 80 DM (ohne alles) bis ca. 500 DM (mit guter Videobearbeitungssoftware als Vollversion) zu bekommen.
Ich habe mich für eine Karte der Firma Exsys (Exsys: http://www.exsys.de) entschieden.
(Version EX-6501, Preis: 249 DM, Stand: Juli 2001)

Exsys EX-6501
Weiter Infos zur Karte unter: http://www.exsys.de/shop.php3?nextpage=artikel&artikel=EX-6501
(Einen Testbericht zum Thema IEEE 1394 Schnittstellen findet man in der c't 24/99 ab Seite 158)

Dieser Karte lag eine Videobearbeitungssoftware der Firma Ulead Systems bei.
"ULEAD Media Studio Pro 6.0 VE"
(Wichtig: Zusätzliches Update: MediaStudio Pro 6.0 Update auf Version 6.0.2 installieren.
Zu bekommen unter: http://www.ulead.de/tech/msp_ftp60.htm)
Bei dieser Software handelt es sich um eine "Light-Version", die jedoch bei Ulead Sytems auf eine Vollversion
upgedatet werden kann. Mit dieser Software kann man aufwendige Filme erstellen, die im Freundeskreis
sicherlich Eindruck hinterlassen werden. Weiter Infos unter: http://www.ulead.de

Besitzt man jetzt noch einen Computer, der nicht zu den Sammlerstücken auf dem Flohmarkt zählt,
hat man schon alles, um seine eigene Super Video CD zu erstellen. Als Betriebssystem sollte jedoch
Windows 98 SE oder "neuer" installiert sein. Eine Software, um die Videodaten in MPEG 2 umzurechnen,
bekommt man kostenlos im Internet. Ganz zum Schluß benötigt man natürlich einen CD-Brenner,
um das entstandene Werk auf eine CD-R zu bannen.

Warum man nicht, obwohl alle einem versuchen dies einzureden,
den allerschnellsten und neusten Rechner braucht,
versuche ich hier einmal zusammenzutragen:

Wie die Auflistung meiner Computerhardware zeigt, zählen meine Rechner auch eher zum alten Eisen.
Das gebe ich hier ganz offen zu. Jedoch haben sie die Aufgabe, die ich mir gestellt habe,
ohne Probleme gemeistert: Meine drei alten PCs

Das Wichtigste überhaupt ist, das der Rechner permanent mindestens 3,6 MByte/sec Daten über
die IEEE 1394 Schnittstelle entgegen nehmen kann und dann auf die Festplatte schreibt.
Kann dieser Datendurchsatz nicht permanent aufrecht erhalten werden, kommt es zum
Datenverlust im Videomaterial und somit zu unschönen Effekten im entstehenden Videofilm.
Ob ein Rechner diesen Datendurchsatz ständig leisten kann, kann man mit sogenannten
Benchmark-Programmen wie z.B. Sandra, die oft als Trial-Versionen kostenlos im Internet zu finden sind,
festgestellt werden. Je höher man über den 3,6 MByte/sec liegt desto besser. Ab einem Pentium II
liegt man sicherlich auf der sicheren Seite (Ich hatte nur eine Sockel 7 CPU zur Verfügung).

Man sollte meiner Meinung nach nie versuchen Videodaten in Echtzeit in Mpeg 2 (oder sogar in MPEG 4,
Stichwort DivX) umzurechnen und dann auf die Festplatte zu schreiben. Dies schafft sicherlich in Hinsicht
auf MPEG 4 kaum ein moderner Rechner ohne hin und wieder ein Bild von 25 in der Sekunde zu schlabbern
(dropped frames). Teilt man die Arbeit in mehr Arbeitsschritte als unbedingt nötig auf, so braucht man
sicherlich mehr Zeit, aber das Ergebniss ist eindeutig sehenswerter. Und das ist das, wo es ja eigentlich
drauf ankommt. Ich finde es ist nicht nur sinnvoll seine Arbeit in mehrere Schritte aufzuteilen, sondern man
sollte eventuell auch seine Hardware auf zwei Rechner aufteilen. Wenn man zwei ältere Rechner sein Eigen
nennt und sie wie ich über ein kleines Netzwerk (10Mbit Ethernet über Koax reichen völlig aus) miteinander
verbindet, erhält man ein wesentlich leistungsfähigeres System. Auch eventuelle Probleme mit nicht
ausreichenden Steckplätze, IRQs und DMA-Kanäle reduzieren sich drastisch. Somit kann man Videodaten,
die man z.B. über PC 1 mittels FireWire auf die Festplatte überspielt, geschnitten und gemischt hat,
über das Netzwerk auf den PC 2 überspielen und dort bereits in MPEG 2 komprimieren (sehr viel Rechenzeit
erforderlich), während man schon wieder auf PC 1 beginnt den zweiten Teil einzuspielen und zu schneiden.
Man kann dann auch über sein Netzwerk Videodaten von einem PC zum anderen verschieben.
Denn beim arbeiten mit Videodaten am PC kann man nicht einfach eine Datei auf eine Diskette
kopieren und dann zu einem anderen PC mitnehmen. Dafür sind die Datenmengen zu gewaltig.
Mit Zip-Laufwerken oder CD-R's kommt man auch nicht weit. Das Netzwerk kann aber auch einfach durch
eine Wechselfestplatte die ich durch einen Wechselrahmen von einem PC zum anderen trage,
um dort am Videomaterial weiter zu arbeiten, ersetzt werden. Diese Aufteilung hat sich bei
mir als sehr praktikabel erwiesen, da so mein PC im Keller im sogenannten "Offline-Betrieb"
in Ruhe stundenlang Bild für Bild in MPEG 2 umrechnen kann ohne das ein Bild verloren geht
(dropped frames) und der Rechner eine halbe Ewigkeit nicht zur Verfügung steht.
Mit "Offline-Betrieb" meine ich, dass man erst einmal die digitalen Videodaten 1:1 als AVI-File auf die
Festplatte schreibt und in einem späteren Arbeitsschritt in das MPEG 2 Format umrechnet,
nachdem es geschnitten wurde. Wenn man zu viele Einsteckkarten in seinem PC gleichzeitig nutzen möchte,
kommt man um eine Aufteilung auf zwei PCs nicht herum (so war es jedenfalls bei mir).
Auch bin ich der Meinung, dass man nicht unbedingt eine Festplatte haben muss,
die mit 10000 Umdrehungen pro Minute ihre Kreise zieht. Eine etwas ältere Festplatte mit z.B. 7200 Touren,
sofern sie den erforderlichen Mindestdatendurchsatz schafft, ist für den "Offline-Betrieb" besser geeignet.
Je schneller sich eine Festplatte dreht desto heißer wird sie in der Regel. Rechnet man jetzt stundenlang
ununterbrochen AVI-Files in MPEG 2-Files um (Festplatte befindet sich im Dauerbetrieb) und ist die
Festplatte nicht ausreichend gekühlt, kann es zum Hitzetod der teuren High-Tech-Platte kommen.
Es macht auch Sinn darüber nachzudenken ob man in seinem PC mit zwei Festplatten arbeiten möchte.
Auf die Boot-Festplatte mit dem Betriebssystem packt man noch alle Programme zur Videobearbeitung
und eine zweite Festplatte (im Wechselrahmen) nutzt man nur um die Videodaten zu speichern. Dies kann
einem das eine Prozent Performens bringen, die einem fehlen um lückenloses Videomaterial zu erhalten.
Auf der Festplatte mit der installierten Videobearbeitungssoftware sollte man auch die eventuell eingebaute
Netzwerkkarte deaktivieren, weil das zyklische durchsuchen der Netzwerkarte des Netzes nach
Gleichgesinnten, die Performens nachteilig beeinflussen kann. Auch einen Internetzugang bei der
Videobearbeitung braucht man nicht wirklich.

Weiterhin sollte man generell darauf achten, dass keine unnötigen Programm im Hintergrund laufen.
Welche Programme zur Zeit laufen, kann man unter Windows 98, wenn man über "Start" > "Ausführen"
das Programm MSCONFIG aufruft, sehen: Erstellen sie hier über "Sicherung erstellen" erst einmal eine
Sicherungskopie. Auf der Karteikarte "Autostart" können Sie jetzt alle Programme,
die Sie nicht benötigen durch entfernen des Haken deaktivieren.

Ein wenig Arbeitsspeicher (etwas mehr wie beim Briefeschreiben) sollte man seinem Rechner schon
spendieren (128 MB oder mehr). Eine Einstellung im System sollte man prüfen und gegebenenfalls ändern.
Und zwar die Einstellung für "Write File Caching". Die Standarteinstellung von Windows ist meistens
"Write Caching". Bei dieser Einstellung wartet Windows vor dem Schreiben der Videodaten auf eine ruhige
Minute, um dann die Videodaten auf die Festplatte zu schreiben. Diese ruhige Minute gibt es beim
Überspielen von Videodaten in den PC lange Zeit aber nicht und so kommt es über kurz oder lang zu
"dropped frames". Um diese Fehlerquelle zu vermeiden, gehen sie folgendermaßen vor:

In der"Systemsteuerung" klicken sie auf "System" und dann auf "Dateisystem". Dort setzen Sie auf der
Karteikarte "Problembehandlung" vor "Verzögertes Schreiben für alle Laufwerke deaktivieren" einen
Haken.

Man kann vor beginn der Arbeiten auch noch einmal das Internet durchforsten, ob man für seine eigene
Hardware im PC eventuell den einen oder anderen veralteten Treiber durch einen aktuellen ersetzen kann.
Sollte man jetzt ein stabil laufendes System mit ausreichendem Datendurchsatz besitzen,
kann man mit dem Einbau der IEEE 1394 Schnittstelle und der Installation deren Treiber beginnen.

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